Gut vorbereitet ins Erstgespräch

Ein Leitfaden für den Start

Der Entschluss, eine Psychologin oder einen Psychologen zu kontaktieren, ist ein wichtiger Schritt. Vielleicht fragen Sie sich, bevor Sie meine Praxis in St. Johann in Tirol aufsuchen, was Sie im ersten Gespräch erwartet und wie Sie sich am besten darauf vorbereiten können? Dieser Leitfaden soll Ihnen Orientierung und erste Impulse für die Wartezeit und den Anfang geben.

Die gute Nachricht ist: Sie müssen den Weg für eine Weile nicht mehr alleine gehen! Trotzdem sind Sie bei der Umsetzung gefordert, Ihren Teil beizutragen. Psychologische Beratung und Behandlung ist immer ein aktiver Prozess und ein großer Teil davon passiert zwischen den eigentlichen Sitzungen, wenn Sie die besprochenen Dinge in Ihrem Alltag umsetzen und erproben. Als Therapeutin begleite und unterstütze ich Sie, damit Sie Ihre Ziele erreichen. Veränderung geschieht dabei meist Schritt für Schritt – und erfordert sowohl Geduld als auch Entschlossenheit. Manchmal geht es aber auch schneller als gedacht. Gelegentlich berichten mir PatientInnen sogar schon im Erstgespräch von ersten Verbesserungen, seit sie den Termin bei mir vereinbart haben. Ich erkläre mir das so, dass die Terminvereinbarung mit mir ihren Entschluss, etwas in ihrem Leben zu verändern, bereits gefestigt hat.

Die Qual der Wahl

Ich versuche Ihnen möglichst viele Informationen über diese Webseite vorab zukommen zu lassen, sodass Sie bereits einen ersten Eindruck über meine Arbeitsweise gewinnen können. Die Entscheidung für eine Klinische Psychologin wird häufig sehr intuitiv getroffen – und das ist auch sehr gut. Aus der Therapieforschung wissen wir, neben Therapierichtung und -techniken sind vor allem gegenseitige Sympathie, ein Gefühl von Sicherheit und das Aufbauen von Vertrauen entscheidend für den Erfolg. Eine tragfähige therapeutische Beziehung ist die Basis für jede erfolgreiche Zusammenarbeit. Lassen Sie sich Zeit mit der Wahl. Nutzen Sie das Erstgespräch auch um für Sie wichtige Fragen zu klären.

Gemeinsame Ziele entwickeln

Zu Beginn geht es darum, realistische Ziele und Erwartungen zu formulieren. Hierfür ist es sehr hilfreich, wenn Sie bereits eine Vorstellung davon mitbringen, was Sie sich von den Gesprächen erhoffen. Ein klarer Auftrag an mich als Therapeutin erleichtert es, den Blick lösungsorientiert genau auf Ihre Themen zu richten. Achten Sie darauf, dass Sie Wünsche auf konkrete Ziele herunterbrechen. Wünschen können Sie sich alles – auch das Unerreichbare. Die Psychologie kann Sie jedoch am besten bei konkreten Zielen unterstützen, die zumindest zu einem großen Teil in Ihrer Hand liegen.

Werden Sie Regisseur oder Regisseurin Ihres Lebens

Ein Regisseur führt bei einem Film nicht nur Regie, sondern gestaltet aktiv die Handlung, wählt die Perspektiven, entscheidet über den Rhythmus und bringt verschiedene Elemente zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Er beobachtet, interpretiert, strukturiert – und trifft bewusste Entscheidungen darüber, was gezeigt wird und wie. Übertragen auf die Therapie bedeutet das: Sie übernehmen die kreative und verantwortungsvolle Rolle, Ihr eigenes Leben bewusst zu gestalten. Sie reflektieren Ihre bisherigen Erfahrungen, erkennen wiederkehrende Muster und entscheiden, welche „Szenen“ Sie neu schreiben oder anders inszenieren möchten.

Selbstreflexion ist dabei der Schlüssel zu einer bewussteren Lebensweise. Sie hilft Ihnen, innere Zusammenhänge zu erkennen, Bewertungen zu hinterfragen und neue Perspektiven zu entwickeln. So entstehen neue Entscheidungs- und Handlungsspielräume – und Sie gestalten aktiv Ihren persönlichen Veränderungsprozess mit, in dem Sie Ihre eigene Geschichte neu betrachten und weiterentwickeln.

Der geschützte Raum

Für den gemeinsamen Austausch biete ich Ihnen einen sicheren Rahmen, in dem Sie Ihre ganz persönlichen Themen offen ansprechen können – ohne Angst vor Bewertungen oder Konsequenzen haben zu müssen. Dieser geschützte Raum ermöglicht es Ihnen, ehrlich hinzusehen – auch dort, wo Sie selbst nicht gern hinschauen möchten. Gerade diese Lebensbereiche einzubeziehen, kann sich heilsam anfühlen und erleichternd sein, auch wenn es zu Beginn schmerzt.

Was Sie zur Vorbereitung bereits tun können

  1. Reflektieren Sie ihre Motivation
    Warum möchten Sie eine Therapie beginnen? Was möchten Sie verändern oder besser verstehen? Eine ehrliche Selbstbefragung hilft, den inneren Antrieb zu klären – auch wenn die Antworten vielleicht noch vage sind.
  2. Machen Sie sich Ihre Erwartungen bewusst
    Was erhoffen Sie sich von der Therapie? Was glauben Sie, kann eine Therapeutin leisten – und was nicht? Realistische Erwartungen und konkrete Ziele können den Prozess unterstützen. Denken Sie daran: Therapie ist keine schnelle Lösung, sondern ein gemeinsamer Weg.
  3. Öffnen Sie sich für neue Perspektiven
    Manche Erkenntnisse können überraschend oder unbequem sein. Offenheit für neue Sichtweisen – auch auf sich selbst – ist eine wichtige Voraussetzung für persönliches Wachstum.
  4. Halten Sie Ihre Gedanken schriftlich fest
    Notieren Sie vor dem Erstgespräch, was Sie beschäftigt: Symptome, Fragen, belastende Situationen, aber auch Stärken, Ressourcen und Ziele. Das hilft, Klarheit zu gewinnen, und erleichtert den Einstieg ins Gespräch.
  5. Aktivieren Sie Ihre Ressourcen
    Was hat Ihnen in schwierigen Zeiten bisher geholfen? Wer oder was gibt Ihnen Halt? Die bewusste Aktivierung von Ressourcen stärkt Ihre Selbstwirksamkeit – und ist ein wichtiger Baustein um Krisen zu meisten und sich weiterzuentwickeln.
  6. Verstehen Sie Therapie als Prozess
    Veränderung braucht manchmal Zeit. Geben Sie sich die nötige Zeit. Therapie ist kein linearer Weg, sondern ein Prozess mit Höhen und Tiefen. Geduld, Selbstmitgefühl und die Bereitschaft, dranzubleiben, sind entscheidend. Solange es in der Tendenz in die richtige Richtung geht, lohnt es sich dran zu bleiben.
  7. Lassen Sie Vertrauen zu, aber erzwingen Sie nichts
    Auch Vertrauen entsteht nicht sofort, sondern wächst mit der Zeit. Geben Sie sich und der therapeutischen Beziehung Raum, sich zu entwickeln. Wenn etwas nicht passt, darf das gern offen angesprochen werden.

Bild von Kei auf Pixabay.

Weitere Informationen finden Sie:

In folgendem Artikel des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen: Klinische Psycholog:innen. Die Expert:innen für mentale Gesundheit

Und in meinen Beiträgen: